Die Bundeswehr ab 1956 in der Region im Aufbau

1. Übernahme alter Kasernenanlagen von Alliierten, Neubau von Kasernen sowie Standortschießanlagen und Standortmunitionsniederlagen

Bereits 1955 begannen die Planungen für die Einrichtung neuer Garnisonen in der Region. An einigen wenigen Standorten konnten zunächst vorhandene Kasernenanlagen von Allierten übernommen werden, z.B.

  • Marburg: Tannenberg-Kaserne, Jäger-Kaserne, Depotanlagen im Bereich des Südbahnhofes
  • Fritzlar: Flugplatz, Liegenschaften und Kasernenanlagen am Flugplatz, Depotanlagen am Hellenweg
  • Kassel: Wittich-Kaserne, sowie die Liegenschaften und Kasernenanlagen an der Eugen-Richter-Straße, ehemalige Jäger-Kaserne
  • Fuldatal-Rothwesten: Flugplatzgelände, Gebäude und Liegenschaften
  • Göttingen: Ziethen-Kaserne
  • Hann.Münden: Pionier-Kaserne
  • Hofgeismar: Manteuffel-Kaserne

Neubauten von Kasernen entstanden in:

  • Mengeringhausen
  • Wolfhagen
  • Frankenberg
  • Homberg/Efze
  • Hessisch-Lichtenau
  • Sontra
  • Stadtallendorf
  • Neustadt
  • Treysa

Beispiel 1 : Neubau einer Kaserne – Die Bundeswehr am Standort Homberg/Efze

Angefügt zwei Antwortschreiben an den Bürgermeister Stadt Homberg/Efze des Bundeskanzleramtes vom 21.01.55 und darunter eine Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung vom 11. November 1957. Es zeigt an diesem Beispiel wie früh sich die kommunalen Verantwortungsträger um die Errichtung einer Stationierung der Truppe beworben und bemüht haben.

Schreiben mit der Zustimmung zur Namensgebung der Kaserne durch die „Freiherr von Dörnbergsche Stiftung Burg Herzberg der Burghauptmann“ vom 14.10.1964

 

 


Beispiel 2: Neubau der Kaserne in Mengeringhausen „auf dem Hagen“

Am 07. November 1961 bezog das Feldartilleriebataillon 45 nach dreijähriger Bauzeit die Kaserne, siehe nachfolgende Pressemeldung in der Waldeckischen Landeszeitung über den Einzug des Vorkommandos am 02.11.1961.

kas mengeringhsn presse 19.10.61

Sammlung zum Bundeswehr Standort Mengeringhausen aus dem Nachlaß von Fritz Monka

Das Stadtarchiv Mengeringhausen hat uns freundlicherweise Pressemeldungen, Bilder, Dokumente, Rede Manuskripte über die Entstehung der Bundeswehrgarnison Mengeringhausen und die Kaserne „auf dem Hagen“ usw. aus dem Nachlaß der verstorbenen früheren Bürgermeisters Fritz Monka, geb. 20.10.1912 in Ortelsburg/Ostpr., verstorben am 13.11.1973 , Bürgermeister in Mengeringhausen von 19.08.1958 bis 28.09.1970.

Bitte öffnen Sie durch Mausklick den nachfolgenden Link:

Sammlung aus dem Nachlaß von Fritz Monka


2.  Einrücken der ersten Wehrpflichtigen – hier Kassel

Aufruf zur Musterung_1957-01-12_014 Kopie

Bericht in der Hessischen Allgemeinen über das Einrücken der ersten Wehrpflichtigen bei den Panzergrenadieren am 01.04.1957 in die Wittich-Kaserne Kassel

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3. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen

Durch die Ansiedlung der Bundeswehr veränderten sich die demographischen Verhältnisse an den neuen Stationierungsorten. Geschätzt stammte nur etwa ein Viertel der neu stationierten Soldaten aus der näheren Region der Standorte. Das veränderte nicht nur die demographischen Verhältnisse vor Ort mitunter erheblich. Vor allem in den kleineren Garnisonsstädten führte der rasche Bevölkerungsanstieg zu Anpassungsprozessen, teils auch zu Problemen. Da gab es die rasch errichteten „Bundeswehrghettos“ für Soldatenfamilien abseits der gewachsenen Ortsstrukturen, und es betraf damit auch den Bedarf für öffentliche Dienstleistungen von Schulplätzen bis zur Infrastruktur für Verkehr, Sport-, Gesundheits- und Schuleinrichtungen, Müll- und Abwasserentsorgung, die seitens der Gemeinden zusätzlich zu errichten waren. Für die Nutzung der örtlichen Infrastruktur durch den Bund und seine Streitkräfte flossen Bundesausgleichszahlungen.

Die Bundeswehr wirkte natürlich auch als Wirtschaftsfaktor. Die Stationierung führte gerade bei Konsumgütern zu einem Nachfrageeffekt an den Stationierungsorten. Ein erheblicher Teil der Dienstbezüge oder des Wehrsoldes der Wochenendpendler wurde allerdings an anderen Orten verbraucht. Die durch den Bund vergebenen Bauaufträge förderten die Regionalwirtschaft zumeist nur in der Hochphase des Neubaus. Für die lokalen Gemeinden verblieben somit nur die Maßnahmen im Rahmen des kleinen Bauunterhalts der Militärliegenschaften. Die erwarteten Ziele der Wirtschaftsförderung wurden nur teilweise verwirklicht. Auch die beabsichtigte Bevorzugung der Zonenrandgebiete relativierte sich somit, obwohl die Präsenz der Bundeswehr als ein Faktor durchaus strukturfördernd wirkte.