1968 Divisionsgefechtsübung 2.PzGrenDiv „Blauer Wacholder“

Die Divisonsgefcehtsübung „Blauer Wacholder“ lief vom 06.-18.12.68 auf den Truppenübungsplätzen Bergen Hohne und Munster-Süd. In Verbindung mit dieser Übung lief die Einberufung von 1.600 Reservisten der FeldErsatzBtl 47, 57 in der Heimatregion Nordhessen, die dann mit Sonderzügen der Bahn zu den übenden Truppenteilen im Norden transportiert wurden.

Bei der Einberufung und dem Ablauf ging die Organisation und Vorbereitung der Verantwortlichen gegenüber den eingezogenen Reservisten gründlich daneben. Die durch diese Fehler eingetretene Verstimmung der Reservisten und die sich daraus entwickelte Gruppendynamik der Betroffenen taten das Übrige.

Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe vom 16.12.1968 über die Vorkommnisse bei der Reserveübung Blauer Wacholder, siehe Anhang.

Nachfolgend die Berichte zweier Zeitzeugen

Abschließend der Pressebericht über die Übung in der HNA Kassel


Die Traditionserlasse der Bundeswehr

Vorbemerkungen

Eine „Armee ohne Pathos“ sollte sie sein (vgl. Weinstein 1951). Keine Kopie, keine Restauration, „grundlegend Neues“ wollten kriegsgediente Generäle im Zeichen der Wiederbewaffnung schaffen, als sie sich 1950 in  Kloster Himmerod zu ersten Überlegungen zusammenfanden (vgl. zur Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950 Rautenberg/Wiggershaus 1985: 17-34). Ohne Pathos sollte die künftige Streitmacht sein, aber nicht ohne Ethos: Eine neue Konzeption des Soldatischen, ein besonderer Typus des Soldaten sollte die innere Struktur der Armee tragen und eine moderne Unternehmensphilosophie, die Innere Führung, prägen. So heißt es in einem Dokument der Dienststelle Blank, dem späteren Verteidigungsministerium, vom 10. Januar 1953: „Alle Arbeiten auf dem Gebiet der ‚Inneren Führung’ haben das Ziel, den Typ des modernen Soldaten zu schaffen und fortzubilden, der freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat zugleich ist.“

Der Traditionserlass (eigentlich Die Tradition der Bundeswehr. Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege) enthält die Regeln zur militärischen Traditionsübernahme in der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Verständnis der Bundesrepublik Deutschland wird Tradition als die Überlieferung von Werten und Normen verstanden, die ein verbindendes Element zwischen den Generationen herstelle. Dies sei notwendig, um sich eine eigene Identität zu sichern.

Tradition und ihre soziologische Funktionen

Tradition ist in soziologischer Sicht das, was über geschichtliche Brüche hinweg, wie etwa Revolutionen, Verbindungen zu vergangenen Epochen herstellt. Tradition meint die Konservierung von Beziehungen zwischen Individuen, Gruppen und Institutionen, ihren Erhalt während einer Epoche und über diese hinaus. Insofern wirkt Tradition sowohl gesellschaftlich als auch politisch stabilisierend, sie ist also per se konservativ. Ausdrucksformen der Tradition sind als beispielhaft verstandene Handlungen, etwa die von Freiheitskämpfern, aber auch von Intellektuellen oder Politikern, sowie Symbole. Konvention, etwa in Form von Liedern, Riten etc., und Tradition unterscheiden sich darin, dass Konventionen erst dann zu Traditionen werden, wenn ein einleuchtender, für einen bestimmten Kreis von Menschen nachvollziehbarer Bezug zu Vergangenem hergestellt wird. Damit werden indirekt die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung des zu Tradierenden gerechtfertigt.

Man kann zwischen zwei grundlegenden Funktionen von Tradition unterscheiden:

Interne Funktion: Hierbei werden Verhaltensweisen, wie etwa Unterordnung und Umgangsformen, tradiert und als Vorgabe für das Verhalten innerhalb einer Gruppe begriffen. Gleichzeitig hat Tradition eine identitätsstiftende Funktion, die durch spezifische Verhaltensmuster und eigene Gesetzlichkeiten ausgedrückt wird.

Externe Funktion: Spezifische Verhaltensweisen und Regelungen isolieren die Gruppe von der Gesellschaft und betonen ihre Stellung in Staat und Gesellschaft. Gleichzeitig bedingten die Ansprüche der Gruppe die Legitimation von Forderungen an die Gesellschaft

Der erste Traditionserlass wurde am 1. Juli 1965, etwa zehn Jahre nach Gründung der Bundeswehr, vom damaligen Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU) herausgegeben.

Traditionserlass Bw 1965

Vorangegangen waren Auseinandersetzungen inner- und außerhalb der Bundeswehr, in welcher Form und wozu „überlieferungswürdige“ Werte aus der deutschen Geschichte in der Truppe gepflegt und weitergegeben werden sollten. Das betraf vordergründig soldatisches Brauchtum oder Symbole, in stärkerem Maß aber Traditionen, die Orientierung im gesellschaftlichen Umfeld bieten könnten. Angesichts der Rolle der unmittelbaren Vorläufer der Bundeswehr, Reichswehr und Wehrmacht, die als Institutionen wenig traditionswürdig erschienen, kam die Forderung auf, eine neue, bundeswehreigene Tradition zu bilden, die dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform entsprach und dem Verständnis der Partner im westlichen Bündnis vom Schutz von Freiheit und Recht entsprach.

Der Erlass von 1965 lobte die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944: „Zuletzt nur noch dem Gewissen verantwortlich, haben sich Soldaten im Widerstand gegen Unrecht und Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bis zur letzten Konsequenz bewährt.“ Über die Beurteilung der Wehrmacht als Institution wurden klarstellende Aussagen aber vermieden. Hervorgehoben wurden die ewig soldatischen Tugenden und Ehrfurcht eingefordert: Ziffer 8. „Rechte Traditionspflege ist nur möglich in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den Leistungen und Leiden der Vergangenheit.“ Es wurde zur Pflege kameradschaftlicher Beziehungen zu den ehemaligen Soldaten des „Dritten Reiches“ aufgefordert.

Der damalige Verteidigungsminister Hans Apel (SPD) gab 1982 den zweiten Erlass heraus. Dieser löste den ersten Erlass aus dem Jahr 1965 ab. Am 23. und 24. April 1981 hatte eine öffentliche Traditionsdebatte über das Thema „Soldat und Gesellschaft“ stattgefunden. Der Traditionserlass Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr aus dem Jahre 1982 – hatte folgende Bedeutungsträger für die Traditionspflege der Bundeswehr besonders hervorgehoben:

  • die schwarz-rot-goldene Bundesflagge,
  • die deutsche Nationalhymne,
  • den Adler des Bundeswappens,
  • das Eiserne Kreuz,
  • den Diensteid und das Feierliche Gelöbnis,

außerdem den Großen Zapfenstreich sowie das Lied vom guten Kameraden.

Der Traditionserlass 1982 knüpft an den vorherigen Erlass an. Es ging nicht um eine radikale Neufassung, sondern um eine Weiterentwicklung.

Traditionserlass Bw 1982

2017 wurde ein neuer Traditionserlass entworfen;[1][2] er wurde am 21. Februar 2018 dem Verteidigungsausschuss des Bundestages präsentiert und am 28. März 2018 von der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen unterzeichnet. Er trägt den Titel Die Tradition der Bundeswehr. Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege.

Grundlegende Bestimmungen:

  • Die Traditionspflege ist Führungsaufgabe und gibt mehr Handlungssicherheit,
  • die besondere Berücksichtigung der Truppe und der Dienststellen, der Erlass ist für alle in der Bundeswehr,
  • die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit,
  • der zentrale Bezugspunkt der Tradition der Bundeswehr, die gesamte deutsche Militärgeschichte im Blick, die klaren Grenzen zur Wehrmacht mit zugelassenen Ausnahmen, die klaren Grenzen zur Nationalen Volksarmee, 
  • die Bindung an die Werte und Normen des Grundgesetzes sowie die klare Definition des Zwecks des neuen Erlasses.

Der Traditionserlass ist eine Dienstvorschrift der Bundeswehr. Sie stellt für alle Truppenteile Verhaltensregeln im Umgang mit der Geschichte dar. Das Spektrum reicht vom Auftreten der Soldaten über Regelungen für das Sammeln von Waffen, Modellen, Urkunden, Fahnen, Bildern, Orden und Ausrüstungsgegenständen bis hin zur Benennung von Kasernen.

Traditionserlass Bw aktuell

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