Standort MARBURG

1945 besetzten amerikanische Truppen die Kasernen in Marburg.

2-flagge-usa

 Am 2. April 1951 wurden die amerikanischen Besatzungstruppen in Marburg durch französische Einheiten abgelöst, die bis Ende 1956 in der Stadt blieben.

2000px-Flag_of_France.svg

Foto unten: Französische Panzer paradieren auf der Marburger Biegenstraße vor einem Kommandierenden der französischen Besatzungstruppen. Die Aufnahme ist Anfang der 1950iger Jahre entstanden.

Sherman-Panzer in Marburg, 1945

Zur Bildquelle/Bildnachweis „Französische Panzer in Marburg, 1951-1956“, in: Historische Bilddokumente

Zu Bild unten: Die mittelhessische Stadt Marburg begrüßte am 14.12.1956 offiziell die ersten Soldaten der neu aufgestellten Bundeswehr. Bildquelle:

„Bundeswehreinheit beim Marsch durch das Marburger Südviertel, 1956“, in: Historische Bilddokumente

cropped-file92133.jpg
FILE94195

Foto unten: Die Tannenberg-Kaserne Marburg. Das Luftbild wurde etwa 1950 aufgenommen. Ab 1945 nutzten zunächst amerikanische Truppen diese als Quartier, danach ab 1951 schließlich französische Truppen. Die Freigabe der Liegenschaft erfolgte Mitte 1956 wenige Wochen vor dem Einzug der ersten Freiwilligen der Bundeswehr. (Bildnachweis/Quelle: Foto webdomain usarmygermany com).

Tannenberg-Kaserne_in_Marburg 1950

Die Geschichte der Tannenberg-Kaserne

Die Entstehung
Mit Vertrag zwischen dem deutschen Reich und der Stadt Marburg vom 11.12.1935 wurde erklärt, dass durch die Reichswehr zwei militärische Formationen verlegt werden. Gemäß diesem Vertrag verpflichtete sich die Stadt Marburg das Gelände im Stadtwald unentgeltlich dem Deutschen Reich kosten-und lastenfrei zu überlassen. Das benötigte Gelände ist dafür im baureifen Zustand abgeholzt und gerodet kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Bis zu den Eingangstoren der Heeresbauten ist eine zweispurige für schwere LKW befahrbare Straße entsprechend den Anforderungen der Truppe heranzuführen und auszubauen. Notwendige Versorgungsleitungen, für Gas, Wasser, elektrischen Strom und Kanalisation sind auf Kosten der Stadt Marburg bis an die Grenzen des Kasernengeländes heranzuführen. Außerdem hat die Stadt den Bau von Offizier-und Unteroffiziermietwohnungen in jeder Weise zu fördern und zu unterstützen.

Die Bauzeit
In der Zeit von 1937 bis 1938 entstanden die wichtigsten Gebäude der Kaserne, wie Wirtschaftsgebäude, Stabsgebäude und drei Kompaniegebäude sowie acht Kfz Hallen. Die Einweihung der Kaserne erfolgte am 02.11.1938. Vier weitere Gebäude wurden wegen des Kriegsausbruches 1939 nicht fertiggestellt und später bis auf die Fundamente abgerissen.

Die Besatzungszeit
Am Karfreitag 1945 wurde die Kaserne von den US Streitkräften belegt. Von diesen wurden einige Gebäude umgebaut.
1950 wurde die Kaserne an die französischen Streitkräfte übergeben. Die überwiegend nordafrikanischen Truppen blieben bis 1956, zuletzt war das 30. FR Dragoner-Regiment stationiert. Sie ließen u.a. weitere Kfz Hallen errichten.
Belegung durch die Bundeswehr
Im September 1956 übernahm die Bundeswehr die Kaserne. Ab dieser Zeit waren stationiert:
1956-1959 Panzerjägerbataillon 2
1956-1960 Grenadierbataillon 2
1960-1994 Sanitätsbataillon 2 (aufgelöst)
1960-1973 Fernmeldebataillon 2
1960-1974 Krankenkraftwagenkompanie 331 (später 2.Krankentransportbataillon 330)
1960-1968 Ausbildungskompanie 15 /III
1961 -1993 Zahnstation 405 (später Zahnarztgruppe 413/1)
1962-1971 Chirurgisches Lazarett 422 (Geräteeinheit)
1967-1971 Feldjägerkompanie 2
1973-1982 Flugabwehrbataillon 310
1982-1993 Flugabwehrregiment 300
Neubauten
In der Zeit der Nutzung durch die Bundeswehr wurden in der Zeit von 1961 – 1987 umfangreiche Neubauten vorgenommen, wie Sanitätsbereich, Kompaniegebäude, Wirtschaftsgebäude, offene Kfz Hallen, Fernmeldezentrale, Sporthalle, Wache, Technischer Bereich und Halle für elektronische Instandsetzung.
Namengebung
Der Name der Kaserne erinnert an die Schlacht bei Tannenberg 1914. Der Name wurde 1945 von den US Besatzungstruppen beibehalten, weil der ehemalige Kantinenpächter Herr Wilhelm Klingelhöfer bei einer Befragung glaubhaft versicherte, der Name käme von den Tannen die vorher auf dem Berg standen und wegen des Kasernenbaues gefällt worden seien.


Die Bundeswehr in der Tannenberg-Kaserne

Am 1. Juli 1956 wird die Kampfgruppe A2 aus Truppenteilen der Grenzschutztruppe 4 in Hannoversch-Münden aufgestellt und im gleichen Jahr nach Marburg verlegt. In die von der französischen Armee geräumten Kaserne, ziehen auch das inzwischen aufgestellte Panzerjägerbataillon 2 und das Grenadierbataillon 2 ein.

Der 3. Juli 1957 ist ein denkwürdiger Tag, das Grenadierbataillon 2 stellt die Paradeaufstellung anlässlich der Unterstellung der ersten drei Heeresdivisionen der Bundeswehr unter das Kommando der NATO.

Foto unten: Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr General Heusinger am 03. Juli 1957 in Marburg Tannenberg-Kaserne anlässlich der Übergabe der ersten drei Divisionen an die NATO. Darunter die 2. Grenadierdivion, die ein Jahr später am 01.April 1958 in 2. Panzergrenadiervision umbenannt wurde (Bildnachweis: Pressefoto BMVG).

general-heusinger-in-marburg

Das Panzerjägerbataillon 2

Nachfolgend ein Bild aus der Zeit der Stationierung des PzJgBtl 2 in der Tannenberg-Kaserne. (Bildnachweis: Fotos Copyright Peter Hoß).

tannenberg-kaserne 1956-1959 03

Nachfolgend ein Foto von einem Tag der offenen Tür beim PzJgBtl 2 in der Tannenberg-Kaserne (Foto copyright K.Knorr).

B.Knorr 005

Am Am 1. April 1959 wird die in Marburg Jäger-Kaserne stationierte Kampfgruppe A2 in Panzerbrigade 6 umbenannt. Ebenso werden das Grenadierbataillon 2 in Panzergrenadierbataillon 62, das Panzerjägerbataillon 2 in Panzerbataillon 63 umbenannt und der Panzerbrigade 6 unterstellt. Als erster Brigadeverband wird 1959 das Panzerbataillon 63 von Marburg in seinen neuen Standort  Allendorf (jetzt Stadtallendorf) in die neu gebaute Panzerkaserne (jetzt Hessen- Kaserne) verlegt.


Das Sanitätsbataillon (SanBtl ) 2

sanbtl 2 gliederung 1972 kopie

weitere Einzelheiten in Bearbeitung!

Foto unten: Schützenpanzer Hotchkiss Krankenkraftwagen des Sanitätsbataillon 2 (stationiert in der Tannenberg-Kaserne) bei einem motorisiertem Marsch im Jahr 1975 auf der Bundesstraße 3 in Marburg (Bildnachweis: Foto copyright H. G. Heiland ehem SanBtl 2)

spz-kurz-sanbtl-2-hg-heil-004

Foto unten: technischer Bereich des Sanitätsbataillon 2 in Tannenberg-Kaserne (Bildnachweis: Foto copyright H.G. Heiland)

img386

Das Flugabwehrbataillon 310 (FlaBtl 310) später Flugabwehrregiment 300 (FlaRgt 300).

Am 01.April 1971 verabschiedete das Flugabwehrbataillon 2 in Fritzlar seine mit dem Rohrflugabwehrsystem L70 ausgerüstete Batterie. Diese wurde nach Lorch am Rhein verlegt und wurde dort der erste Baustein 2. Batterie des im Zuge der Umgliederung der Heeresflugabwehrtruppe aufzustellenden Korpsflugabwehrbataillon Flak 40mm L70.

Im Juni 1973 nahm die Neuaufstellung des FlaBtl 310 in der Tannenberg-Kaserne in Marburg Formen an. Am 02. Juli 1973 zog die 2.Batterie des FlaBtl 310 als erste Kampfbatterie in die Kaserne ein. Am gleichen Tag begann die Aufstellung der Stabs-und Versorgungsbatterie. Die 3. Batterie verlegte am 01.Oktober 1973 von Hardheim nach Marburg und als letzte Batterie des neuen FlaBtl 310 folgte am 01.August 1974 die 4.Batterie. Die offizielle Aufstellung des Flugabwehrbataillon 310 wurde am 01.Oktober 1973 vollzogen. Das Bataillon bestand aus der 1. Stabs- und Versorgungsbatterie sowie den schießenden Batterien 2./-, 3./- und 4./ Batterie mit jeweils 15 Flugabwehrgeschützen 40mm L70.

Gliederung des Bataillons:

FlaBtl 310 Gliederung

Das nachfolgende Foto zeigt die Flugabwehrkanone Flak 40mm L70. Das Geschütz wurde gezogen von einem LKW 7t Magirus Jupiter geländegängig Pritsche/Plane.

FlaBtl 310 Flak L70 col

Das Bataillon war schnell einsatzbereit  und nahm an Heeresübungen, Bataillonsübungen sowie zahlreichen Flugabwehrschießen teil, z.B.:

  • Heeresübungen bzw. Gefechtsübungen: Schneller Wechsel, StandhafteChatten, St.Georg,
  • Flugabwehrschießen Todendorf, Den Helfer/NL und Salto di Quirra/Sardinen/Italien.

Das Bataillon bestand bis zum 01.Oktober 1982


Flugabwehrregiment 300 (FlaRgt 300)

Das neue geschaffene FlaRgt 300 trat am 01.Oktober 1982 an die Stelle des bisherigen FlaBtl 310. Damit wurde Marburg wieder Sitz eines Regimentes. Das Bataillon wurde ausgerüstet mit dem neu entwickelten Flugabwehrwaffensystem ROLAND. Durch die technische Weiterentwicklung schneller Kampfflugzeuge wurde die westliche Flugabwehr gezwungen eine Raketenwaffe zur Abdeckung der Bedrohung im Tieffliegerbereich einzuführen.

Das Regiment verfügte künftig über 36 Waffensysteme des Typs Roland. Am 21.März 1983, siehe Foto unten, traf der erste Flugabwehrraketenpanzer (FlaRakPz) in der Tannenberg-Kaserne ein. Die 4.Batterie war die erste Einheit die mit diesem Waffensystem ausgerüstet wurde.

FlaRgt 300 erster Roland

Das nachfolgende Foto (Bildnachweis Chronik FlaRgt 300) zeigt einen FlakRakPz Roland der 4. Batterie FlaRgt 300 im Einsatz bei einer Flugabwehrübung.

FlaRgt 300 Roland im Einsatz

Das Regiment bestand bis 1993.


Umwandlung der Tannenberg Kaserne in zivilen Wohnraum

Die Tannenberg-Kaserne wurde im Rahmen der Konversion in zivilen Wohnraum und Gewerbeflächen umgewandelt.


Die Jäger-Kaserne in Marburg

Die im Jahr 1866 erbaute Jäger-Kaserne in Marburg Frankfurter Straße wurde nach 1945 kurzzeitig  von US Besatzungstruppen genutzt. Die nachfolgende Fotos (Bildrechte gekennzeichnet, Quelle web domain usarmygermany.com) zeigt US Soldaten die sich in der Jäger-Kaserne auf die Verlegung nach Bremerhaven vorbereiten, das Bild darunter ein Gesamtbild der Liegenschaft.

Marburg Jäger.Kaserne USArmy
Marburg Jäger Kaserne US

Ab 1951 bis etwa 1956 wurde die Jägerkaserne, ebenso wie die Tannenberg-Kaserne, das Quartier von Einheiten eines Französischen Dragonerregimentes. 

1959 wurde die Kaserne Standort und Sitz des Stabes der 2.Panzergrenadierdivision (PzGrenDiv) und etwa ab 1961 des Artillerieregimentes 2 (ArtRgt) jeweils mit Stabs-Kompanie bzw. Batterie. Hinzu kam die Nachschubkompanie 2 und die Feldjägerkompanie 2.

1970 wurde die 2.PzGrenDiv in 2. Jägerdivision umbenannt.

1974 wurden Stab- und Stabskompanie der 2.Jägerdivsion und 1980 das ArtRgt 2 mit Stab-und Stabsbatterie nach Kassel verlegt.

Bis zur Auflösung des Standortes 1992 war im südlich gelegenen größeren Teil der Jägerkaserne das

Flugabwehrbataillon 340 (Geräteeinheit) und die 5./Sanitätsbataillon 310 (Geräteeinheit).

stationiert.

Nachfolgende Fotos zeigen zivile Mitarbeiter des FlaBtl 340 (GerEinh) bei der Wartung der eingelagerten Flugabwehrgeschütze 40mm L70. Auf einem Foto ist das Zugfahrzeug des Geschützes LKW Magirus 7to Jupiter zu sehen. Alle Bilder Copyright Peter Hoß, aufgenommen 1988.

Das nachfolgende Foto zeigt das Stabsgebäude in dem folgende Dienststellen Einheiten untergebracht waren:

  • Feldjägerdienstkommando mit Feldjägerkompanie 2 bis 1981 und
    später die 5./Feldjägerbataillon 740 bis  1992
  • Verteidigungskreiskommando 471 mit Stab-und Stabskompanie (Geräteeinheit)
Marburg Jägerkasere StGeb VKK und Fj.jpg

Die gesamte Kasernenanlage Jäger-Kaserne wurde 1994 durch die Bundeswehr aufgegeben und durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) als Konversionsobjekt vermarktet.


2-flagge-usa

1945 wurden von der US Armee die Depotanlagen an der Frauenbergstaße (in der Nähe des ehemaligen Südbahnhofes mit Gleisanschluß) und das große Depot am nördlichen Stadtausgang besetzt. Die Anlagen am Südbahnhof wurde genutzt als Sanitätsdepot, Gerätedepot, Betriebsstoffdepot sowie als Sonderwaffenlager von folgenden US Einheiten: HQ294th US-Army Artillery Group, 99th Ordonance und US-General Storage Facility.

Die Anlagen wurde Mitte der 50iger Jahre mit dem Aufbau der Bundeswehr von der US Armee aufgegeben.

Das große Depot am nördlichen Stadtausgang war ein US Quartiermeister Reclamation Depot. Es wurde 1947 im Rahmen des Reclamations-Programms aktiviert. Das Depot hatte zum Ziel, Kleidung, Ausrüstungen, Bürogeräte, Haushaltskühlschränke und Spezialfahrzeuge zu reparieren. Seit der Aktivierung 1947 bis zur Schließung 1957 wurden Geräte im Wert von mehr als 20 Millionen Dollar zurückgewonnen.

Fotos aus dem Depot während der US Nutzung (Bildcopyright Walter Elkins – webdomain usarmygermany.com).

marburg qm class ii and iv depot 1947 a
marburg qm class ii and iv depot 1947

Da nachfolgende Bild wurde 1957 kurz nach seiner Schließung aufgenommen. (Bildcopyright Walter Elkins – webdomain usarmygermany.com). Das Depot erkennt man am oberen Bildrand unmittelbar an der Bundesstraße B 3 Marburg-Kassel.

marburg qm rebuild plant 1957