Nach 1945 besetzten amerikanische Truppen die leerstehenden Kaserne in Kassel.


Pressemeldungen in den Hessischen Nachrichten vom 27.März und 24.Juni 1952 (Quelle HNA Kassel)


Einige Fotos aus den 1950er Jahren





Einzelheiten und Details über die Kasernen in Kassel urch anklicken der nachfolgenden Kasernenschilder- Inhalt öffnet sich in einem neuen Tab!
Kassel als Standort der wehrtechnischen Industrie
Die Stadt Kassel ist seit Aufstellung der Bundeswehr 1956 bis heute ein wichtiger Standort der wehrtechnischen Industrie in Deutschland.
Nachfolgender Beitrag zu o.a. Thema wurde am 25.09.26 in HNA.de online unter folgender Überschrift veröffentlicht.
Hauptstadt der Panzer: Kassel war im Zweiten Weltkrieg deutsches Rüstungszentrum und Heimat einer „Wunderwaffe“
Als Rheinmetall kürzlich ankündigte, seinen Kasseler Standort zum „größten Panzerwerk Europas“ auszubauen, sorgte dies bundesweit für Schlagzeilen. Die Reaktionen reichten von Freude über die Millioneninvestitionen und weitere Arbeitsplätze bis zu großer Sorge über die möglichen Folgen. Könnte die nordhessische Großstadt angesichts weltweit wachsender Konflikte durch die Konzentration der Militärtechnik zu einem Angriffsziel werden?
Wir haben einen Blick in die Geschichte der Kasseler Rüstungsindustrie geworfen. Während des Zweiten Weltkriegs sollten die Tiger-Panzer des Kasseler Herstellers Henschel – die von der NS-Propaganda als „Wunderwaffe“ gepriesen wurden – dem Kriegsverlauf eine entscheidende Wendung geben.
Thomas Vollmer hat bereits in den 1990er-Jahren zur Kasseler Rüstungsproduktion geforscht. Der emeritierte Professor für Berufspädagogik, der an der Uni Hamburg gelehrt hat, lebt seit vielen Jahrzehnten in Kassel und hat sich nebenbei mit der Entwicklung der hiesigen Rüstungsfirmen beschäftigt. „Während der NS-Zeit waren 21 Rüstungsbetriebe hier ansässig, heute sind es mit Rheinmetall und KNDS im Wesentlichen zwei“, sagt Vollmer. Deren Ursprünge liegen in der Lokomotivfabrik Henschel und der Waggonfabrik Wegmann, die auch dank der Militärtechnik groß wurden.
Die Anfänge
Henschels Aufstieg begann mit der Nachfrage nach Kriegsgerät. Schon bevor Georg Christian Carl Henschel das Unternehmen 1810 gründete, arbeitete er als fürstlicher Stückgießer und fertigte Geschütze an. Mit dem Einstieg in den Lokomotivbau verlor die Rüstung im Verlauf des 19. Jahrhunderts aber zunehmend an Bedeutung für Henschel.
Die 1882 gegründete Waggonfabrik Wegmann startete erst im Ersten Weltkrieg mit der Rüstungsfertigung. Zunächst wurden leichte und schwere Feldwagen für die Nachschubtruppen hergestellt, später wurde mit dem „Panzerkampfwagen K“ einer der ersten deutschen Panzer aus Kassel geliefert. „Der weltweite Panzerbau befand sich damals noch in den Anfängen“, sagt Vollmer. Auch Henschel sei im Ersten Weltkrieg wieder in die Produktion von militärischen Gütern eingestiegen. Gleichzeitig verdoppelte sich aber auch der Absatz von Lokomotiven in den Kriegsjahren auf 1000 Stück pro Jahr, weil sie für die Truppenbewegungen entscheidend waren.
Die Zäsur
„Nach dem Ersten Weltkrieg war der Bau von Panzern und Waffen in Deutschland verboten“, sagt Vollmer. Doch das von den Siegermächten im Versailler Vertrag formulierte Ansinnen, das Deutsche Reich zu demilitarisieren, wurde alsbald unterlaufen. So wurde schon in der Weimarer Republik verdeckte Rüstungsproduktion betrieben. Unter der Bezeichnung Großtraktor oder Kettenschlepper wurden ab Ende der 1920er-Jahre erste Panzer und Militärlastwagen entwickelt. Bei Henschel wurde ab 1931 an einem leichten Panzer gearbeitet – Tarnname „Landwirtschaftlicher Schlepper“.
Die NS-Zeit
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der als „Schlepper“ entwickelte Panzer als „Panzerkampfwagen I“ vorgestellt. Ein Jahr später begann die Serienfertigung bei Henschel. Auch Wegmann stieg nun wieder ins Rüstungsgeschäft ein. So wurde das Unternehmen gemeinsam mit Henschel, Krupp und MAN auch mit der Produktion des Nachfolgemodells des Panzerkampfwagens beauftragt. In dieser anfänglichen Aufrüstungsphase des NS-Staates gab es deutschlandweit nur fünf Unternehmen, die Panzer herstellten. Damit seien 40 Prozent der Panzerbauer aus Kassel gekommen, so Vollmer.
Allein bei Henschel wurden zwischen 1934 und 1943 mehr als 2000 Panzerkampfwagen in unterschiedlichen Ausführungen montiert.Aber nicht nur für den Bodenkrieg wurde sich in Kassel gerüstet: In diese Zeit fiel auch die Gründung der Henschel-Flugzeug-Werke (1933). Drei Jahre später wurde in einer Fabrik auf dem Gelände des heutigen VW‑Werks in Baunatal damit begonnen, Daimler-Benz-Motoren für Kriegsflugzeuge in Lizenz herzustellen.
Auch Kunstflieger Gerhard Fieseler verdiente ab 1930 mit einem Flugzeugwerk am Rüstungsgeschäft mit. Der unter anderem für die Aufklärung eingesetzte Fieseler Storch wurde dessen bekanntestes Produkt. Später wurden dort auch Messerschmitt-Jagdflugzeuge in Lizenz gefertigt. Dies bescherte dem Flugzeugwerk mit Standorten in Bettenhausen, Waldau und am Waldauer Flugplatz einen gewaltigen Aufschwung. 1938 arbeiteten 5000 Menschen bei Fieseler, bei Kriegsende waren es fast 7500.
In einem 1940 eröffneten Zweigwerk des Junkers-Flugzeug- und Motorenwerkes Dessau in Kassel waren Ende der 1930er-Jahre ebenfalls mehr als 5000 Beschäftigte tätig. „Kassel etablierte sich als Rüstungszentrum des NS-Staates“, beschreibt Vollmer die Entwicklung.Aber auch bei den anderen Herstellern machte sich die Rüstungskonjunktur bemerkbar. Beschäftigte Henschel 1933 noch 2000 Menschen, waren es zehn Jahre später 19.000. Während der Kriegsjahre mussten viele Zwangsarbeiter in den Unternehmen schuften. „Die Wochenarbeitszeit wurde auf 60 Stunden erhöht“, sagt Vollmer.
Die Zahl der Beschäftigten stieg in den Kasseler Rüstungsfirmen zwischen dem letzten Friedensjahr (2650) und der NS-Zeit (20.000) rasant.m August 1942 begann unter strenger Geheimhaltung die Serienfertigung des Tiger-I-Panzers in Kassel. Dafür arbeiteten Henschel und Wegmann zusammen. Henschel lieferte die Fahrgestelle, Wegmann die Aufbauten. Wegen der erheblichen Panzerverluste der Deutschen an der Ostfront, wurde der Tiger ohne große Erprobung ausgeliefert. Vom Tiger I wurden bis 1944 insgesamt 1355 Exemplare gebaut. Vom Tiger II (Königstiger) von 1943 bis 1945 nur 484 Exemplare. Diese schwersten Kampfpanzer der Wehrmacht sollten die drohende Niederlage abwenden. Es stellte sich aber heraus, dass die Entwicklung nicht ausgereift war. So gingen mehr Fahrzeuge durch mechanische Defekte und Selbstzerstörung verloren als durch Angriffe.
Vollmer hat sich die monatlichen Produktionszahlen in den Kasseler Panzerschmieden während der Kriegsjahre genau angeschaut. Dabei hat er herausgearbeitet, dass nach der Kasseler Bombennacht am 22. Oktober 1943 die Produktionszahlen noch stark gestiegen sind. Die englischen Bomber hätten es nicht in erster Linie auf die Rüstungsstandorte abgesehen, sondern auf die Wohnbebauung. Ziel sei es gewesen, die Moral zu brechen. Zwar habe es in den Fabriken auch etliche Treffer gegeben, die aber die Produktion nicht maßgeblich tangierten.
Die letzten Königstiger rollten Ende März 1945 aus den Kasseler Werkhallen. Mit einigen von ihnen versuchte die Wehrmacht noch, in Richtung Süden vorzustoßen, als die Amerikaner bereits auf Kassel zumarschierten.
Der dreitägige Kampf um Kassel endete am 4. April mit der Kapitulation – etwa einen Monat vor Kriegsende.







